Tag 21 Rückflug
Donnerstag, den 16.06.2005
Als wir an Deck erscheinen, sind die Jungs schon fertig. Wir verabschieden uns, als sie zum Schulbus müssen. Kevin steht auf, Sandy ruft die AirTransat an, ob unser Flug planmäßig geht - Nein, eine Stunde später, also 13 Uhr. Das bedeutet Sandy muß vor uns los. Sie ist traurig und trägt uns auf, Kevin nicht anhalten zu lassen unterwegs, wenn wir unseren Flieger pünktlich erreichen wollen. Ein schlimmer Abschied, aber sie muss zur Arbeit. Dusty zeigt noch eine Probe seiner Sprungkünste hinauf auf Sandys Rücken und hinterlässt eine blutige Spur, durch das Shirt! Wir drehen noch eine kleine Abschiedsrunde über den Hof und verabschieden uns vom Getier, klettern pünktlich in den Pick-up und während unsere Koffer auf der Ladefläche lustig hüpfen, ist uns zum Heulen.
Kevin bringt uns, natürlich nicht ohne zwei Stopps, zum Flieger, wie zum Schafott.
Wir checken ein und gönnen uns noch ein schnelles fast food Frühstück, von dem Kevin später aufspringt und sich eilig verabschiedet um nicht auch noch Tränen zu vergießen. Dann ist er auch schon fort und wir tigern bis zum Abflug ruhelos durch die Geschäfte des Flughafens, immer in Gedanken eine Fluchtmöglichkeit suchend.
Das Boarding beginnt pünktlich und bei strahlendem Sonnenschein sehen wir ein wolkenloses Edmonton von oben. Wir sitzen dieses Mal nicht auf den Plätzen A + B, sondern rechts G + H. Ein junger Canadier, wie wir beim Aussteigen erfahren, sitzt Stunde um Stunde schweigend zwischen uns und dem Fenster. Das Zebra im Rennstall ist englisch, und kann nicht nur deshalb Maika nicht fesseln. Die Zeit vergeht und es ist uns sehr bewusst mit welcher wahnsinnigen Geschwindigkeit der Flieger immer mehr Kilometer zwischen uns und Morinville bringt. Maika ist sehr traurig und sieht erschüttert, dass es Matthias wohl noch einen Zacken schlimmer geht.
Wir kommen fast pünktlich an, und checken aus, was in Frankfurt nun wieder ziemlich deutsch mit langen Schlangen und unvollständigen Beschriftungen an den Schaltern verbunden ist. Irgendwie eine riesige Rennerei quer durch den Flughafen zum Gepäck, gruslig, soll wohl groß wirken, ist aber unübersichtlich. Wir haben wenig Zeit bis zum Zug, der uns zum Hauptbahnhof bringt. Alle rennen und drängeln, sehr deutsch. Geschafft, 15 Minuten Bahnfahrt im Stehen, dann die reservierten Sitzplätze im ICE nach Leipzig.
Oh, wir haben nur wenig deutsches Geld, zwei-drei Sandwiches und eine Cola werden noch daraus während Matthias schon die Koffer in den Zug wuchtet und unsere Plätze beschlagnahmt. Er ist müde, sie friert. Alles irgendwie "bescheiden". Es ist unbequem, Maika ist auch müde, kann aber überhaupt nicht schlafen und passt also auf ihren Schatz auf, deckt ihn zu und holt sich noch den Lieblingspulli aus dem Handgepäck. Trotzdem kalt. In Leipzig auf dem Hauptbahnhof fühlen wir uns wohl beide nicht heimisch. Die Taxifahrer rangeln mit einem behelmten Mopedfahrer bis sie ihn schließlich am Boden haben, Passanten ereifern sich. Deutschland!
Vom Radio des Taxis erfahren wir: einer der Bürgermeister Leipzigs hat Dreck am Stecken. Ein Anhänger schafft es nicht auf den Rädern seinem Zuggefährt vor dem Rettungswagen um die Kurve zu folgen und stürzt, es wird gehupt, gegafft, geschimpft. Deutschland!
Wenigstens zu Hause ist alles in Ordnung. Wir schließen die Tür hinter uns, vermissen Kanada, die McKinstry's und auch Lilo. Das Wochenende vergeht mit einem riesigen Katzenjammer und wir sitzen halbe Nächte schlaf- und sinnlos im Bett rum. So geht es noch einige Tage weiter, auch während der Arbeit. Am Schlimmsten ist es jedoch, wenn wir beisammen sind und einander die Sehnsucht nach Kanada und den dortigen Freunden ansehen.



